Citizen Science

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Was ist Bürgerwissenschaft?

„Bürgerwissenschaft“ und „Citizen-Science“ sind häufig gebrauchte Schlagworte. Allerdings werden die beiden Begriffe weder in der Wissenschaft, noch in den öffentlichen Medien einheitlich gebraucht. Eine kurze Begriffsklärung erscheint uns deshalb zu Anfang nötig:

Der „Verein zur Förderung von Bürgerwissenschaft e.V.“ verstehen unter „Bürgerwissenschaft“ eine organisierte Produktion von Wissen, an der nicht nur „professionelle Wissenschaftler“ sondern auch (oder ausschließlich) Bürger beteiligt sind. „Bürger“ wird in diesem Zusammenhang im Sinne von „Laie“ und/oder „ehrenamtlich tätig“ verstanden.

Bügerwissenschaft – ein alter Hut?

Bürgerwissenschaft ist nichts Neues. Seit Jahrhunderten engagieren sich Bürger ehrenamtlich in wissenschaftlichen Projekten: Sie sammeln meteorologische Daten, beobachten die Vorkommen von Pflanzen und Tieren, unterstützen Wissenschaftler bei der Auswertung von Daten aller Art. Bürger organisieren und engagieren sich in Vereinen und erforschen dort gemeinsam die Geschichte ihrer Heimatstadt oder die heimatlichen Pflanzen und Tiere. Eine Liste derartiger Beispiele ließe sich lange fortsetzen.

Und was ist dann Neu?

Seit etwa 2008 haben sich die (informations-) technischen Rahmenbedingungen für Bürgerwissenschaft grundlegend geändert. Das systematische Sammeln, Übermitteln und Auswerten von Messdaten oder von Beobachtungen war bis vor wenigen Jahren noch mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Früher musste man umfangreiche Vermessungen vornehmen um die geographischen Koordinaten eines bestimmten Ortes zu bestimmen – heute verfügt fast jedes Auto oder Smartphone über ein GPS. Die Fotodokumentation einer größeren Anzahl von Naturbeobachtungen war mit analogen Kameras aufwendig und teuer – heute führt ein Großteil der Bürger ständig eine Digitalkamera bei sich. Auch die Archivierung , Übermittlung, Prüfung und Auswertung grösserer Datenmengen und Informationen war so aufwendig, dass nur Profiwissenschaftler derartiges leisten konnten. Heute hat jeder Bürger Zugang zum Internet – und das sogar unterwegs, beim Forschen im Gelände.

Die Möglichkeiten, die diese technischen Innovationen der Bürgerwissenschaft als einer gesellschaftlichen Methode der kollektiven Wissensproduktion eröffnet haben, sind den meisten Bürgern bis heute nicht bewusst. Und auch vielen Profiwissenschaftlern noch nicht.

Vor diesem Hintergrund möchte unser Verein einen Beitrag dazu leisten, diese neuen Möglichkeiten für die Bürgerwissenschaft zu Nutzen und dem Gemeinwesen zuzuführen.

Abgrenzung: Was Bürgerwissenschaft nicht ist

“Crowdsourced Information” wird derzeit leider noch zu wenig von der Wissenschaft genutzt. Dagegen gibt es im privatwirtschaftlichen Bereich einige problematische Fälle, bei denen nur auf kostenlose Arbeitskräfte geschielt wird. Ob es sich bei einem Web-Portal um ein echtes Bürgerwissenschaftsprojekt handelt, lässt sich vor allem an zwei Kriterien erkennen:

  1. Kein kommerzielles Interesse: Die in einem bürgerwissenschaftlichen Web-Portal gesammelten Daten und Informationen gehören – genau wie die gewonnenen Ergebnisse – der Allgemeinheit. Die Betreiber eines echten Bürgerwissenschaftsportals sind nicht auf die Erzielung von Gewinnen aus.
  2. Wissenschaftliche Fragestellungen und Methoden: Das reine Sammeln von Daten macht noch keine Wissenschaft. Ein bürgerwissenschaftliches Projekt muss vor dem Hintergrund einer oder mehrerer Forschungsfragen stehen und bei der Erhebung der Daten wissenschaftlichen Standards genügen.